Referent:

Thomas Kaestle

Ausstellungskonzeption

Die Teilnehmenden diskutieren eigene und fremde kuratorische Konzepte vor dem Hintergrund von Kunstsystem und Kunsttheorie.

„Kuratorische Praxis ist offenbar immer die des einzelnen Kurators. […] Christoph Tannert und Ute Tischler versuchen erst gar nicht, in ihrem Handbuch der kuratorischen Praxis Leitlinien und verbindliche Ratschläge zu formulieren. Sie haben erkannt, dass sie viel weiter vorne anfangen müssen – bei einer nachvollziehbaren Aufarbeitung von Einzelbeiträgen zu einer Debatte, die nicht einmal von allen Beteiligten als eine solche geführt wurde. […] Dies resultiert in weit über hundert Statements, die sich zumeist widersprechen und nur in einem Punkt Einigkeit aufweisen, dem der Rollenhäufung in einer Person. Zum Beispiel: […] „Der ‚Kurator’ erscheint so als ein Hybrid aus Fermenten des Marketingmanagers, eines informell mit der Kunstproduktion verbundenen Kunstintellektuellen und bisweilen sogar (wegen der thematischen ‚Innovationspflicht’ des Kunstbetriebs) als dilettierender Zukunftsforscher.“ […] Ob Kuratorenprogramme geeignet sind, einer kuratorischen Praxis langfristig zu einem theoretischen Pendant zu verhelfen, darf bezweifelt werden, solange der Überbau dort aus anderen Kontexten heraus normativ konstruiert wird. Möglicherweise kann dies nur gelingen, indem den potentiellen Kuratoren nicht nur Motivation und Fähigkeiten für diskursives Denken und Handeln vermittelt werden, sondern vor allem ein Interesse daran, die schließlich erarbeitete individuelle Position zu vernetzen, anschlussfähig zu machen für andere Positionen – aus Theorie und Praxis.“
(Thomas Kaestle: Die Anzahl der Möglichkeiten. Zur Durchdringung von Theorie und Praxis in Aspekten der zeitgenössischen Bildenden Kunst; in: Wolfgang Schneider/Stephan Porombka/Volker Wortmann (Hg.): Jahrbuch Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis 2008, Tübingen 2008)